Samstag, 19. November 2016

Demokratischer Sozialismus - Widerspruch in sich?

Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich von einer Welt träume, in der jeder, unabhängig von Geschlecht, Sexualität und Herkunft, gleiche Chancen im Leben erhält. Eine Welt, in der jedes noch so unüberwindbar scheinende Problem durch reflektierte Diplomatie anstatt mit animalischen, perversen Kriegen und Militäreinsätzen gelöst werden. Eine Welt, in der man arbeitet, um seine eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Anwendung zu bringen, und nicht, um einen kapitalistischen Mehrwert zu schaffen. All diese Werte sind mit dem Sozialismus in Verbindung zu bringen.
Doch genau so stark wie ich diese Werte mit dem Sozialismus verbinde, verbinden ihn andere mit Planwirtschaft, Diktatur und Freiheits- und Meinungsunterdrückung. Diese gefährliche Fehleinschätzung sollte keineswegs hingenommen werden.

Kritik an "sozialistischen" Nationen

Der Sozialismus ist eine Theorie der Gesellschaftswissenschaft, basierend auf Werten wie Gleichheit und Gerechtigkeit. Das Ziel des Sozialismus ähnelt auf dem ersten Blick dem des Kapitalismus: Wohlstand schaffen. Doch die Art des zu schaffenden Wohlstandes unterscheidet sich hier. Während beim Kapitalismus Wohlstand durch Vermehrung von Kapital und darauffolgender "Reichtum" angestrebt wird, ist das Ziel des Sozialismus, einen sozialen Wohlstand zu schaffen, bei dem man ein Leben lang Absicherung erfährt. Man sollte arbeiten, weil man in bestimmter Hinsicht Fähigkeiten besitzt, die für das Gemeinwohl von Nutzen sein können. Im Gegenzug dazu erhält man staatliche Sozialleistungen, die einen auf Lebenszeit absichern.
Die Deutsche Demokratische Republik nahm sich selbst den Anspruch, eine sozialistische Gesellschaft zu sein. Die jedoch existierende Planwirtschaft und unterdrückende Stasi-Überwachung ist mit dem freiheitlichen, solidarischen Prinzip des Sozialismus unvereinbar. Wirtschaft dient dem Menschen, nicht der Mensch der Wirtschaft. Das ist zwar eines der grundlegenden Gedanken im Sozialismus, jedoch darf die Wirtschaft nicht so gleichgültig werden, dass sie komplett systematisiert wird. Jeder Mensch hat einen anderen Bedürfniskatalog und verschiedene Wünsche, denen in einer Planwirtschaft mitnichten nachgekommen werden kann. Ein Überwachungsapparat, der die Menschen zusätzlich in ihrer Freiheit einschränkt, macht die Bezeichnung als sozialistische Nation endgültig illegitim. Kein Wunder also, dass dieses scheinsozialistische Gebilde früher oder später untergehen musste und noch heute für Ungewissheit sorgt, was die sozialistische Idee angeht.
Noch radikaler ist der Widerspruch in Nordkorea. Auch diese Nation rühmt sich selbst mit dem sozialistischen Titel, schreckt aber vor Freiheitsunterdrückung und militärischer Aufrüstung in keinerlei Hinsicht zurück.

Der Sozialismus ist eine Idee einer Gesellschaft, in der jeder gleich und frei ist, damit Gerechtigkeit entstehen kann. Bietet ein Staat jedoch keine alternativen Eindrücke, kann hier nicht von Sozialismus die Rede sein. Sozialismus lebt von Demokratie, denn die Menschen müssen sich selbst erheben und in einem tatsächlichen Sozialismus die Vorzüge für das eigene Wohlbefinden entdecken. Gierige und neidische Menschen wird es immer geben, doch genau so wird es für jeden gierigen Menschen dutzende geben, die bereit sind, ihre Fähigkeiten für das Allgemeinwohl anzuwenden.

Die eigentliche Idee des Sozialismus wurde bisher allemal peripher geschliffen, doch definitiv noch nicht in die Tat umgesetzt. Die Durchsetzung des demokratischen Sozialismus ist eine Vision, aus der Hoffnung entspringt.

Dienstag, 15. November 2016

Ist Homophobie ein Einwanderungsproblem? (Kommentar)

Ich kann mich noch daran erinnern, wie sich vor einigen Jahren tatsächlich über YouTuber wie daaruum und Herr Tutorial aufgeregt wurde, weil sie YouTube als Einnahmequelle nutzen. Es waren echt schöne Zeiten, als diese wirklich unschuldigen Menschen die Höhe aller Kontroverse waren. Heute sieht die deutsche YouTube-Landschaft aber ganz anders aus. Homophobie und die Verbreitung von Hass gehören bei den YouTubern, die von Jugendlichen als Idole angehimmelt werden, zum guten Ton. Lächerliche Aussagen wie "Ich habe nichts gegen Schwule, aber die sollen das nicht so öffentlich zeigen" sind längst im Konsens angekommen.Auffällig hierbei: Die YouTuber, die solche homophoben Hassbotschaften verbreiten haben in vielen Fällen Migrationshintergrund. Die YouTuberin Persiax thematisierte genau dies in ihrem neuesten Video, in dem sie den Homophoben mit gleichem Ton entgegen tritt.



Es wäre falsch, zu behaupten, Homophobie sei einzig und allein ein Importproblem. Es ist aber in der Realität auch so, dass eben genau Leute mit Migrationshintergrund homophobes Verhalten für moralisch vertretbar halten, weil diese Ansichten in ihren Kulturen und Religionen verwurzelt ist. Dass es solche Menschen gibt, zeigt einfach nur, wie viel Nachholbedarf die deutsche Regierung hinsichtlich toleranter und weltoffener Bildung hat. Gäbe es mehr sexuelle Aufklärung an Schulen, würden auch solche Leute merken, dass man sich nicht einfach Leute wie "DerPriinz" als Pressesprecher für eine Sexualität aussuchen kann. Aber wenn die politischen Ansichten weiter nach rechts rücken und AfD es in eine Regierung schaffen könnte, wäre Sexualität ja ganz und gar aus den Bildungsprogrammen gestrichen, so dass für Homophobie und Hass noch mehr fruchtbarer Boden aufbereitet wird.
Auf meine Ausführungen bekam ich auf YouTube folgende Antwort in Kommentarform:
Ich stimme dir zu, ich bin auch ein Mädchen mit Migrationshintergrund und kriege immer wieder mit, dass Menschen mit Migrationshintergrund sagen, sie hätten "nichts gegen Schwule, aber...". Ich habe in meinem Elternhaus auch gedacht dass Homosexualität etwas schlimmes ist, bis ich 20 geworden bin und meine eigenen Ansichten bekommen habe. Was mich aber echt verrückt macht, ist, wenn solche Idioten sagen, dass sie etwas dagegen haben, wenn schwule Menschen ihre Sexualität ausleben; sprich zwei Männer Händchen halten, also öffentlich dazu stehen. Das ist so dumm und so ignorant, ich habe keine Worte für solche Menschen. Schade dass diese Jungs ein Publikum in einem beeinflussbarem Alter haben.

Update 19.11.2016: Das Video, in dem Persiax homophobe YouTuber kritisiert, wurde von DiviMove gesperrt.

Samstag, 8. Oktober 2016

Ein paar Worte zu "Curvy Supermodel"

Es ist mal wieder ein Weilchen her, seit ich das letzte Mal gepostet habe. Ich war einerseits abgelenkt von meinem Blog und andererseits hat sich bisher kein allzu besonderes Thema ergeben, über das es sich meines Erachtens nach lohnen würde, zu schreiben. Das hat sich mit dem Start der neuen Serie auf RTL 2 namens "Curvy Supermodel" geändert.


Bevor mich eine Freundin in einer WhatsApp-Sprachnachricht ganz nebenbei darauf aufmerksam gemacht hat, wusste ich noch rein gar nichts von der neuen Castingshow, die letzten Mittwoch auf RTL 2 startete. Ich habe, als Fan sämtlicher Reality-Formate, natürlich direkt eingeschaltet und obwohl ich erst im Verlauf des Blogposts auf meine Eindrücke eingehen möchte, kann ich bereits jetzt verkünden, dass ich hellauf begeistert war.
Ich mag "Germany's next Topmodel". Das Format hat in mir ein gewisses Interesse an Mode und der zugehörigen Fashion-Szene entwickelt und meine Idee von Ästhetik beeinflusst. Letzteres hat aber auch den bitteren Beigeschmack, dass ich immer das Gefühl hatte, in der Modewelt kann man nur etwas darstellen, wenn man dem dünnen bzw. durchtrainierten Schönheitsideal des Westens entspricht. Dass das, was uns in solchen Formaten bisher vorgelegt wurde, nicht die Mehrheit und Allgemeinheit der Bevölkerung darstellt, ist zwar durchaus bekannt, aber dadurch, dass nun mal die großen Modemonopole auf Schlankheit setzen, wird diese Tatsache beiseite gelegt und mit eine Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper ersetzt.
Wer meinen Blog öfters mal besucht weiß, dass ich sogar hier öfters mal versucht habe, meine Abnehmgeschichten zu teilen, in der Hoffnung, genug Motivation für etwas zu entwickeln, was ich inzwischen als völligen Blödsinn erachte. Ich bin nicht der dünnste, das sieht jeder. Das liegt an meiner nicht allzu ausgewogenen Ernährung. Trotzdem befinde ich mich in einem recht gesunden Zustand, vor allem auch deswegen, weil ich Bewegung vor allem in Form von Tanzen definitiv nicht abgeneigt bin.
Hier setzt "Curvy Supermodel" an: Eine Beauty-Revolution ist im Gange, bereits seit einigen Jahren. So langsam versteht die Masse und endlich auch die Industrie, dass kurvige Körper einfach der Norm entsprechen, vor allem in runden Ländern wie den USA und Deutschland. Dass die große Mehrheit dieser Körper jedoch nicht ungesund ist, sondern einfach nicht komplett durchtrainiert, wurde oft einfach weggeschwiegen, zugunsten von besseren Verkaufszahlen in der Modebranche. Man realisiert langsam, dass man den eigenen Körper nicht hassen muss, nur weil man keine Barbie oder kein Superman ist. "Curvy Supermodel" sucht nach einer kurvigen Frau mit Ausstrahlung und Potenzial, die am Ende einen Modelvertrag und Werbeverträge gewinnt.
Es wird durch Einblicke in die Leben der Kandidatinnen gezeigt, wie schwer man es haben kann, wenn man keinem unrealistischen Schönheitsideal entspricht. Die Jury, in der unter anderem Tänzerin Motsi Mabuse und Plus-Size-Model Angelina Kirsch sitzen, begrüßt jede Kandidatin herzlich und anstatt ein "Du bist nicht gut genug" zu vermitteln, wird hier selbst den Ausgeschiedenen unfassbar viel Mut zugesprochen.

"Curvy Supermodel" versucht sich in einem ganz neuen Modekosmos zu platzieren, bei dem die Perfektion nicht nur in eine Richtung geht. Ich finde, dass man hier genau den richtigen Weg geht. Man stelle sich alle kurvigen Frauen vor, die bei genau dieser Show einschalten und zu ganz neuem Selbstbewusstsein kommen, weil sie sehen, dass die Welt nicht nur den XS-Damen gehört. Ich freue mich jedenfalls auf die kommenden Wochen mit dieser mutmachenden, herzerwärmenden neuen Sendung.

Mittwoch, 3. August 2016

Vergesst K-Pop: Jetzt kommt M-Pop!

Was wissen wir Durchschnittsbürger schon über die Mongolei? Abgesehen davon, dass es da mal einen Typ namens Dschingis Khan gab und das mongolische Reich mal ziemlich riesig war; Nicht allzu viel. Doch wenn man sich mal die mongolische Musikszene ansieht, merkt man schnell, dass uns da ganz schön etwas entgeht. Die Musikszene um die Hauptstadt Ulaanbaatar ist bunt, modern und steht der koreanischen Popszene um nichts nach.


Ich bin das erste Mal 2012 auf mongolische Popmusik gestoßen. Damals habe ich auf YouTube "Function Minutes" von Anu entdeckt und war direkt von den futuristischen Klängen und dem hochwertigen Musikvideo beeindruckt. Und genau das ist eines der Merkmale von M-Pop: Futuristische Stile. Was Herr Zelmerlöw für Schweden beim letztjährigen (und unzählige weitere beim diesjährigen) Eurovision Song Contest getan hat, hat die mongolische Popgruppe Kiwi bereits 2 Jahre zuvor gemacht: Über einen Projektor gezielt mit dem Hintergrund spielen.


Abgesehen davon sind mongolische Musikvideos technisch sehr professionell gestaltet, wovon sich große Popnationen definitiv noch eine Scheibe abschneiden können.


Ein Merkmal, was mich als homosexuellen Mann zwar nicht wirklich interessiert, aber dennoch bemerkenswert ist, ist die Tatsache, dass Frauen in Musikvideos keineswegs mit ihren Reizen geizen.


Ich liebe es, immer wieder über den musikalischen Tellerrand zu schauen und neue Popmusik für mich zu entdecken. Vielleicht konnte ich jemanden mit dem M-Pop-Fieber anstecken. Bis bald, oder wie man auf Mongolisch sagt: Bayartai!

Donnerstag, 28. Juli 2016

Warum ich Ukrainsich anstatt Russisch lerne

Nach einigen Wochen voller Inspirationslosigkeit habe ich mich dazu entschlossen, in meinem Blog, meinem YouTube-Kanal und meinen Social-Media-Kanälen all die Dinge anzusprechen, die mich in meinem Alltag begeistern und interessieren. Und ein kleines Update muss ich in der Hinsicht geben: Ich habe mich inzwischen dafür entschieden, eine Art "Künstlernamen" anzunehmen, nämlich WaiWai Tobiasu, aber dazu soll demnächst noch ein Video folgen.


Wie ich bereits einige Male erwähnt habe, liebe ich es, Fremdsprachen zu lernen. 2011 habe ich mit Chinesisch zum ersten Mal freiwillig begonnen, eine Sprache (außerhalb der Schule) zu lernen. Vor genau zwei Monaten habe ich mit Ukrainisch meine fünfte freiwillige Sprache ausgewählt. Es kam sowohl in meinem Bekanntenkreis, als auch in den Plattformen, in denen ich Sprachen lerne, die Frage auf, weshalb ich Ukrainisch und nicht Russisch gewählt habe. Zu Beginn klingen beide Sprachen eigentlich sehr ähnlich.
Die ersten Unterschiede fallen jedoch bereits im Alphabet auf. Zwar benutzen beide Sprachen das kyrillische Alphabet, jedoch besitzt Ukrainisch einige, uns Westeuropäern vertrautere, Abwandlungen. So gibt es anstelle des russischen "и"ein simples "i". Unbekannte Buchstaben wie "ъ" und "ы" gibt es im Ukrainischen auch nicht. Generell ist die gesamte Phonetik der ukrainischen Sprache viel schneller nachzuahmen als die der russischen. Ich habe bereits nach wenigen Tagen die ukrainische Betonung verinnerlicht und wusste bereits vom Gefühl her, welche Silbe im Wort betont wird. Als ich mal kurzzeitig versucht habe, Russisch zu lernen, fiel mir das nicht so leicht.
Ein weiterer Aspekt, der mich zu einer Entscheidung für die ukrainische Sprache geführt hat, war meine unvergleichliche Liebe zum Eurovision Song Contest. Dort haben mir die ukrainischen Beiträge ziemlich oft besser als die russischen gefallen, weshalb ich mit der ukrainischen Musikszene vertraut geworden bin. Ich taste mich über Musik an neue Sprachen heran. Ich würde tatsächlich sagen, dass ein größerer Teil meiner Fremdsprachenkenntnisse (einschließlich Englisch) bereits durch das Lernen von Songtexten entstanden sind. Der Sieg von Jamala beim Eurovision Song Contest 2016 in Stockholm hat mein Interesse für ukrainische Popmusik noch weiter gestärkt.


Alles in allem besitzen Ukrainisch und Russisch ein ziemlich unterschiedliches Vokabular, jedoch eine sehr ähnlich aufgebaute Grammatik. wobei Ukrainisch am engsten mit Weißrussisch verwandt ist.
Ukrainisch und Russisch stimmen in ihren philologischen Merkmalen zu 20% überein.
Ich würde den Vergleich "Russisch-Ukrainisch" ungefähr mit "Deutsch-Schwizerdütsch" gleichstellen.